Ich möchte euch heute keinen direkten Einsatz- oder Fallbericht bieten.

Ich möchte euch heute nicht erzählen, wie ich mich in nur einem einzigen Einsatz gefühlt habe oder was ich erlebt habe.

Ich möchte heute über ein Thema schreiben, über dass ich in letzter Zeit immer mehr nachdenke.

Was mich in letzter Zeit immer mehr verletzt und traurig stimmt.

Ist euch eigentlich aufgefallen, dass unsere Welt inzwischen eine einzig große Single-Börse ist?

Zu viele von uns sind auf der Suche nach der wahren Liebe und statt mit offenen Augen durch die Welt zu laufen und nach den Menschen zu greifen die unmittelbar vor uns stehen, setzen wir lieber auf zwielichtige Singlebörsen im Internet oder fragwürdige Liebes-Apps, die doch zu sehr als heimliche Fremdgeh-Möglichkeit genutzt werden.

Zu viele von uns tun einfach so, als ob sie so etwas echte, ehrliche Liebe nicht brauchen.

Wir halten uns lieber alle Möglichkeiten mit X Affären offen, als nach der wahren Liebe zu greifen. Einer Liebe, die uns am Ende so viel mehr geben kann als nur eine kurzzeitige Befriedigung ein bis zweimal in der Woche.

Wir Rettungsdienstler und Feuerwehrleute sind da ein ganz extremes Kaliber.

Und das sage ich nicht einfach so!

Ständig höre ich Sätze wie:

„Schichtdienst und Liebe, geschweige denn Schichten und Familie sind nicht miteinander vereinbar!“

oder

„Ich habe keine Zeit jemanden kennenzulernen, immer wenn andere frei haben und sich kennenlernen, muss ich arbeiten.“

Wir sind so fasziniert und überzeugt von unserem Job und davon „mit Blaulicht im dunkeln durch die Stadt zu rasen“, dass wir dabei völlig vergessen mit solchen Aussagen irgendwann vermutlich völlig allein und einsam zu sterben.

Vermutlich irgendwie frei, aber irgendwie eben auch einsam.

Vor kurzem habe ich einen Spruch gelesen:

„Beziehung früher – Händchen halten, küssen, sich einfach nur lieben.
Beziehung heute – Ins Bett springen, das Leben teilen, zusammen den Mount Everest besteigen und immer noch nicht sicher sein, was eigentlich läuft.“

Für uns aus dem Blaulichtmillieu müsste er in den meisten Fällen so gehen:

„Beziehung früher – Händchen halten, küssen, sich einfach nur lieben. Beziehung heute – Ins Bett springen, schlimme Einsätze durchleben, sich gegenseitig immer   wieder antreiben und motivieren und immer noch nicht sicher sein, was eigentlich läuft.“

Das stimmt mich traurig.

Mich, als echte Romantikerin.

Mich, als jemanden, der Patienten immer Zeit gibt sich von ihren geliebten Partnern zu verabschieden, bevor wir sie in die Klinik bringen.

Mich, die jedes mal wirklich mit den Tränen kämpft, wenn sich ein altes Ehepaar mit 90 Jahren (oder mehr) auf dem Rücken küsst, in die Augen sieht und sich sagt, dass es sich liebt.

Auch noch nach all den Jahren. In guten wie in schlechten Zeiten.

Wir, Rettungsdienst, Feuerwehr und Klinikpersonal, sind ja doch immer die, die in den schlechten Zeiten kommen.

Wir sind da, wenn es ihnen am schlechtesten geht.

Aber sie lieben einander. Ehrlich, aufrichtig, wahrhaftig.

So etwas besitzen die meisten in unseren Berufen leider nicht mehr. Lasst doch eure Gedanken mal durch eure Rettungswachen schweifen, durch eure Stationen.. Wie viele sind tatsächlich glücklich mit Ihrem Partner? So richtig?

Wenn Männer von meinem/unserem Beruf erfahren, hab ich oft das Gefühl, dass in 90% der Fälle bei ihnen irgendwas aussetzt.

Ich weiß nicht woran es liegt. Aber irgendwas ändert sich.

Solche Männer kommen dann mit Sätzen wie:

„Boa das wäre ja nichts für mich, da bist du ja auch immer arbeiten und hast nie Zeit mal am Wochenende feiern zu gehen und dann muss man sich auch die ganze Zeit die ekeligen Sachen anhören, die du so siehst.“

Das ist so, als wäre dieser schöne Beruf für die meisten einfach ein rotes Tuch.

Liebe und Rettungsdienst sind für die wenigstens vereinbar.

Diejenigen, für die es vereinbar ist, diese 10%, die sind vielleicht schon in einer Beziehung oder aber sie kommen selbst aus der Medizin/Rettung oder dem Blaulicht-Breich und leben mit den selben Vorurteilen nur eben Frauen gegenüber.

Sie treiben ja doch auch nur so von einer zur anderen hin und her, ohne irgendwo endgültig zu stranden zu können.

Was hat diese Welt nur aus uns gemacht?

Jeden Tag werden unschuldige Menschen, die vielleicht noch nie in ihrem Leben richtig von einem Partner geliebt wurden aus dem Leben gerissen.

Zu jung, zu früh, zu unerfahren.

Sie haben niemals das gefühlt, was eine Beziehung erst zu einer richtigen Beziehung macht.

Liebe. Bedingungslose, abgrundtiefe, in guten wie in schlechten Tagen – Liebe.

Wir stehen bei Verkehrsunfällen und sehen dabei zu, wie junge Mädchen und junge Männer aus ihre Fahrzeugen geschnitten werden müssen.

Wie sie in ihrem Inneren gegen den Tod kämpfen.

Dagegen, dass jetzt sofort einfach alles vorbei ist. Finito. Ende. Aus. „Rien ne va plus“ – Nichts geht mehr.

Wir reanimieren sie, geben alles um sie wieder ins Leben zu holen, um ihnen jede Chance auf ein weiteres glückliches Dasein bieten zu können.

Wir tun einfach alles menschenmögliche, um ihnen DAS Glück überhaupt auf dieser Erde zu ermöglichen.

Und wir selbst?

Für uns ist einfach alles selbstverständlich.

Uns passiert so etwas nicht.

Ich höre dann Sätze wie:

„Mir passiert so etwas nicht.“

„Ich koste mein Leben lieber in vollen Zügen, mit so vielen Partnern wie möglich, aus.

Vielleicht verpasse ich sonst etwas.“

Vielleicht ist es aber genau auch diese Art zu leben, die dazu führt, dass ihr etwas verpasst. Das wonach wir uns früher oder später alle einmal sehnen werden.

Wir leben heute lieber von kurzen Techtelmächteln, von schmutzigen kleinen Affären und davon uns mit kurzlebigen innigen Berührungen zufrieden zu geben, statt endlich irgendwo anzukommen, sich unendlich zu verlieben und sich gleichzeitig freier als jemals zuvor zu fühlen, eine Familie aufzubauen, nach etwas zu streben was bleibt.

Jemandem der einfach immer da ist. An unserer Seite.

Wart ihr jemals verliebt? So sehr, dass ihr den anderen einatmen möchtet? Dass ihr euch nicht mehr vorstellen könnt ohne die Wärme dieses Menschen zu leben? Ohne seine Stimme in euren Ohren?

Es ist eines der unglaublichste Gefühl, was einmal jemals durch den Körper fahren kann. Stellt euch vor, wenn dieses unbändige Gefühl erwidert wird.

Zu jeder Zeit, fast egal welchen Fehler ihr begeht.

Ich glaube, dass es in jedem von uns einen Teil gibt, der sich einfach nur danach sehnt bei einem anderen Menschen zu Hause zu sein.

Ich frage mich wirklich, ob es das Ziel ist diesen Teil zu unterdrücken und sich einzureden, man fühle sich so wie es ist freier, statt hin und wieder auch einfach zuzugeben, dass Einsamkeit und allein sein zum „unheimlich frei sein“  vielleicht manchmal dazugehören.

Ich frage mich das ganz ehrlich.


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