Meinen heutigen Beitrag möchte ich einmal den Kollegen widmen, die sehr aufgeschlossen für Neues sind.

Den Kollegen, die für die Entwicklung in der Notfallmedizin stehen, die vom Unbekannten nicht abgeschreckt werden und die sich einfach daran erfreuen, wenn die Technik einen Sprung nach vorn gemacht hat.

Ich freue mich wirklich schon seit Wochen, endlich einmal über dieses Thema zu schreiben, denn mit dem, worüber ich euch heut berichte habe ich genau die Nische gefunden, die ich mir für die praktische Tätigkeit als Notfallsanitäterin von Anfang an gewünscht habe:

Mehr Eigenverantwortung, bei völliger juristischer Absicherung – Der Telenotarzt (TNA)!

Bevor ich euch einmal beschreibe, was ich damit für Erfahrungen gemacht habe, erstmal ein kleiner Einblick, wovon ich da überhaupt rede.

Ich glaube nämlich an diesem Punkt geht es einigen von euch wie mir, vor ein paar Monaten:

„Was zu Teufel ist ein Telenotarzt? Was kann der? Was macht der? Und wofür soll man den eigentlich brauchen?“ 

Als ich das allererste mal davon gehört habe, war ich mehr als skeptisch.

Für mich klang das alles sehr utopisch, was mir die Kollegen und Bekannte aus Aachen so beschrieben haben.

Man berichtete mir von einem Arzt, der via Telefon und Videokamera in den RTW geschaltet wird und einem Anweisungen gibt, wie ein richtiger reeller Notarzt der neben einem im Einsatz steht.. Nur eben durchs Telefon und über Videoschaltung.

Ich dachte so an:

„Da wirst du dann also beobachtet und ein Arzt schaut dir die ganze Zeit auf die Finger, gibt dir Anweisungen und am Ende kannst du weder das gelernte anwenden, noch deine Fähigkeiten richtig trainieren oder ausbauen. Wooow, wie innovativ..“

Leute, ich war echt skeptisch. Ich war wirklich, wirklich skeptisch!

Ich hatte mir allerdings vorgenommen dieses System erstmal so unvoreingenommen wie möglich zu studieren. Mir alles anzugucken, Kollegen zu zu schauen, wie sie damit arbeiten.

Aber ganz ehrlich, viel zu studieren ist da nicht. Rettungsdienst lebt vom Ausprobieren, vom einfach Versuchen, vom einfach selber machen.

Genauso auch das Telenotarzt-System.

Kurz zu dem, was den TNA zu dem macht, was er ist:

Das System umfasst ein gesondertes TNA-Handy mit jeweiligen Headsets (was auf jedem RTW zum Equipement gehört) damit wir auch während des Telefonierens mit unserem Notarzt ordentlich mit beiden Händen arbeiten können.

Des Weiteren eine spezielle Box, welche mit dem corpuls3 (C3) verbunden ist und sämtliche Daten an den Computer des Telenotarzt in Echtzeit überträgt.

Das heißt unser TNA hat mit diesem Tool also die Möglichkeit unsere Daten 1:1 auf seinem Monitor in der TNA-Zentrale anzusehen und zu bewerten. Zusätzlich kann er sich die übertragenen Daten natürlich auch ausdrucken.

Denn CAVE: EKG niemals vom Monitor auswerten. 😉

Gleichzeitig hat unser Telenotarzt die Möglichkeit sich nach Patientenzustimmung via Videokamera (in HD!) im RTW dazu zu schalten. Er kann also nicht nur die Werte des Patienten sehen, sondern auch den sonstigen Zustand, etwa Hautcolorit, Bewertung der Sprache des Patienten oder seiner Bewegungen.

Und zu guter Letzt: Unser Drucker, der ebenfalls im im Rettungswagen verbaut ist.

Hat der Telenotarzt den Einsatz mit uns zusammen abgearbeitet, dann bekommen wir natürlich sein Protokoll geschickt und können es direkt ausdrucken und in der Klinik zusammen mit unserem eigenen Protokoll abgeben.

Dokumentation ist ja bekanntlich alles! 🙂

Im Grunde genommen ist das auch schon das Wichtigste, was es über die Funktion und die Tätigkeit des TNA zu wissen gibt.

Natürlich kann der TNA nicht nur mit uns allein Einsätze zusammen abarbeiten, sondern in richtig ernsten Fällen auch einfach fachliche Unterstützung für uns bieten, bis das (beispielsweise nachalarmierte) NEF bei bei uns eintrifft. 

So kann nicht nur immens viel Zeit gespart werden, wenn es unter Anderem um die Gabe von wichtigen Medikamenten geht, sondern wir haben auch einfach einen Fachmann (oder eine Fachfrau) am Ohr, der sicher stellt, dass wir bei der Anamnese an alles gedacht haben. 

Der darauf achtet, dass Kontraindikationen und Allergien abgefragt wurden oder aber nochmal genau sagen kann, in welcher Dosierung welche Medikamente gegeben werden müssen.

Wenn es richtig stressig wird, kann es doch jedem von uns einmal mal passieren, dass man einen Zahlendreher im Kopf hat.

..Zahlendreher sind in der Medizin ja bekanntlich nie gut!

-Von dem ganzen administrativen Teil übrigens einmal abgesehen!

Wenn der Telenotarzt alle Patientendaten hat, spricht natürlich auch nichts dagegen ein Arzt-zu-Arzt-Gespräch mit der Zielklinik zu führen oder während wir im RTW therapieren schon einmal zu klären, ob der z.B. Herzkatheter frei ist oder ein Schockraum zur Verfügung steht.

Übergaben können also so parallel zur Therapie laufen.

Fassen wir also mal kurz zusammen:

Wir sparen Zeit. Wir sind doppelt abgesichert. Wir können Therapie-Ideen mit dem TNA besprechen und ggf. sicherheitshalber nochmal checken lassen oder vielleicht sogar abändern. 

Sollte ich mir bei einem 12-Kanal-EKG einmal nicht sicher sein, ob da was ist oder ob da eher nichts ist – ZACK an den Telenotarzt geschickt, Auswertung direkt als Antwort und schon kann dem Patienten schnell die richtige Fachrichtung in der Klinik zugeordnet werden.

Ich kann also wirklich alles in Allem bisher nur davon schwärmen! (Tue ich übriegens auch ;-))

Dieses System ermöglicht es mir als Notfallsanitäter meine Entscheidungen ganz anders zu bewerten, als ich das bisher gemacht habe.

Beispiel:

Wenn man immer auf ein NEF angewiesen ist, lief bei mir im Kopf immer folgende Szene ab:

„Monitoring komplett, Zugang liegt, Patientin hat im EKG deutliche Veränderungen, sieht nach einem STEMI aus. Weg in die Klinik 3 Minuten, bis das NEF nachalarmiert ist und eintrifft – mindestens 6 Minuten oder länger.“

Was haben wir also in solchen Fällen gemacht?

-Lichter an und so schnell es geht in die Klinik – ohne entsprechend notwendige Medikation, denn die ist selbst für Notfallsanitäter leider nicht in jedem Rettungsdienstbereich freigegeben.

Heute laufen mir andere Gedanken durch meinen Kopf:

„Monitoring komplett, Zugang liegt, Patientin hat im EKG deutliche Veränderungen, sieht nach einem STEMI aus. Telenotarzt anrufen. Währenddessen schon mal 150mg ASS, 5000iE Heparin, MSI 1 auf 10, Nitro, etwas gegen Übelkeit (Odensatron, Vomex,..) und Sauerstoff vorbereiten.“

Der Anspruch an uns als Rettungsdienstler hinter diesem System ist ein ganz anderer. 

Natürlich hängt das auch von der Erwartung ab, die man an sich selbst stellt. 

Natürlich könnte ich auch darauf warten, dass mir der TNA genau sagt, was diese Patientin in jener Situation jetzt benötigt, und ich könnte quasi das selbstständige Denken ab meinem Anruf beim TNA komplett einstellen.

Allerdings glaube ich, ist das nicht der Sinn der Sache.

Viel Effektiver ist es doch in meine Augen, wenn man alle seine zur Verfügung stehenden Ressourcen nutzt (somit auch sein eigenes Denkvermögen) um dem Patienten einfach so schnell, fachlich korrekt, und ausreichend wie möglich zur Verfügung zu stehen und ihm das zu geben, was er benötigt.

Ich glaube, dieses System ist der Weg in eine Richtung, die man sich jetzt vielleicht noch gar nicht richtig ausmalen kann.

Stellt euch einfach vor, wie es wäre ein solches System überall im Land zu haben. Flächendeckend.

Egal wo man auf dem Rettungswagen fährt, egal wie weit das NEF entfernt ist, es gibt immer einen verfügbaren Notarzt, der darauf trainiert und geschult ist Diagnosen und Therapien mit ausgebildetem Rettungsdienstpersonal am Telefon zu besprechen und anzuwenden. 

Für mich ist das die Antwort auf die ganzen Streitereien rund um Freigaben, um Kompetenzen, um Therapien die erlaubt oder nicht erlaubt sind, um juristische Fragen und darum wer, wann für welchen Fehler haftbar ist.

Für mich ist es einfach nur Zukunft mitten in der Gegenwart!

PS.: Meine Beschreibung ist nur ein kleiner Auszug von dem, was einem das System bietet. Weitere Informationen könnt ihr euch gern auf nachfolgender Internetseite ansehen, falls ihr daran Interesse habt. 🙂

Für die Wissbegierigen unter euch:  🙂

http://www.telenotarzt.de

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